Apple: Bitte fangt wieder an, kleinere iPhones zu bauen

Es gab mal eine Zeit, da konnte man mit dem Witz „Handys sind das Einzige, bei dem Männer sich streiten, wer das kleinere hat“ alle Lacher auf seine Seite ziehen. Okay, der Witz hatte schon zu seiner Zeit einen Bart, aber offenbar hat er die Menschheit doch auf ein unhaltbares Phänomen aufmerksam gemacht, welches es schnellstmöglich zu verändern galt. Und so können Männer heutzutage dank dem unermüdlichen technologischen Fortschritt endlich auch bei Handys wieder darüber streiten, wer denn nun das größere habe.

Ich habe diese Entwicklung lange Zeit nur am Rande mitbekommen, zumeist nur, wenn ich mich in der U-Bahn fahrend darüber wunderte, wer denn da mit einem Fernseher am Ohr so tat, als würde er telefonieren, und warum er das tat, bis ich merkte, dass der Fernseher kein Fernseher, sondern ein Smartphone war. In meiner heilen Apple-Welt war ich doch an eine gewisse Konstanz gewöhnt, nach der neue iPhones zwar stets neue Funktionen, aber nie größere Displays bekamen. Jaja, die gute alte Zeit.
Dann kam das iPhone 5 und das Werbeversprechen, der menschliche Daumen reiche genau bis in die linke, obere Ecke des Displays und deswegen sei exakt diese Displaygröße perfekt für jedermann. Ich kaufte es und stellte fest, ja, mein Daumen reicht genau bis in die linke, obere Ecke des Displays, aber nur, wenn ich das Handy etwas anders halte, als ich es bislang gewohnt war. Im Gegenzug dafür erhielt ich immerhin eine größere Anzeigefläche oberhalb der Tastatur, was mir beim Schreiben von SMS und Mails tatsächlich zu Gute kam. Kurz gesagt, das iPhone 5 und ich wurden Freunde und es leistete mir zwei Jahre lang treue Dienste.

Es folgte das iPhone 6, mit dem Apple offenbar sagen wollte, naja, in den zwei Jahren sei die durchschnittliche menschliche Hand zwar nicht gewachsen, aber dennoch habe man sich mit der Sache mit der idealen Displaygröße für jedermann vor zwei Jahren wohl etwas vertan. Das iPhone 6 hat jetzt endlich die wirklich ideale Displaygröße für jedermann, und wenn nicht, dann gibt es ja noch das iPhone 6 Plus mit einer noch idealeren Größe.

Das ist doch jetzt viel zu groß und unpraktisch, da kommt man ja gar nicht mehr an den oberen Displayrand heran, sagte ich und hatte einige Tage später ein iPhone 6 gekauft.

Das war vor etwa fünf Monaten, und ich kann meine Erfahrungen mit dem größeren Display in folgender Statistik zusammenfassen:

  • Situationen, in denen ich die neue Displaygröße als praktisch und toll empfand: 0
  • Situationen, in denen ich den oberen Bildschirmrand erreichen wollte, geflucht habe und ich mir den Formfaktor eines iPhone 5 oder gar eines iPhone 3Gs gewünscht habe: Ich habe nach Woche 1 zu zählen aufgehört

Ich könnte Punkt 2 noch weiter aufdröseln in Dinge wie:

  • Anzahl der Male, die mir das iPhone ins Gesicht gefallen ist bei dem Versuch, Abends auf dem Rücken liegend im Bett den Wecker zu stellen
  • Wahrscheinlichkeit, in Bälde eine Sehnenscheidenentzündung zu bekommen, ausgelöst durch kreative Versuche, doch irgendwie mit dem Daumen an den oberen Displaybereich zu kommen
  • Countdown bis zum ersten, langfristig unvermeidlichen Sturz des iPhones, ausgelöst durch kreative Versuche, doch irgendwie mit dem Daumen an den oberen Displaybereich zu kommen
  • Ausgestoßene Flüche beim Versuch, durch Doppeltipp auf den Homebutton die Displayanzeige nach unten zu schieben

Gerade der letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit. „Reachability“ nennt Apple dieses Feature, bei dem man für Außenstehende den Eindruck erweckt, einen Tick zu haben, weil man immer wieder stoisch auf den Homebutton tippt. Damit fährt dann der gesamte Bildschirminhalt ein wenig nach unten, sodass auch Menschen ohne Riesenpranken die oberen Buttons des Systems erreichen können. Wäre das iPhone 6 eine Tür, Apple hätte die Klinke an den oberen Türrahmen gebaut, und Reachability wäre die Schnur, die vom Klinkengriff zum Ziehen herunterbaumelt.
Das Tippen klappt immer so zu 70%, und um den Spaßfaktor noch zu verstärken, fährt die Anzeige nach jeder getätigten Aktion wieder selbstständig nach oben, mal schneller und mal langsamer. Es ist ein bisschen so wie Whac-A-Mole, der Versuch, zwei Buttons im oberen Displaybereich direkt hintereinander zu treffen. Zumeist ist das iPhone schneller, die Anzeige fährt bereits wieder hoch und man tippt plötzlich ungewollt auf einen völlig anderen Button, meistens der, der die Exfreundin anruft, um 3 Uhr in der Nacht.

Natürlich könnte ich all den Problemen entgegenwirken, würde ich das iPhone 6 einfach immer mit zwei Händen bedienen. Ich könnte auch dem ständigen Ärger beim Socken zusammenlegen entgegenwirken (ich hasse Socken zusammenlegen), indem ich meine Socken einfach nicht mehr wasche. Manche Dinge sollte man einfach nicht ändern müssen.
Daher, und weil ich davon überzeugt bin, dass dieser Blog die tägliche Pflichtlektüre für einen jeden Apple-Mitarbeiter darstellt, stelle ich lieber folgende Bitte: Bitte, bitte, baut das nächste iPhone auch wieder in einer kleineren Version. Die großen Prügel dürfen gerne auch weiterhin ihre Abnehmer finden, solange ich nur wieder ein technisch identisches Smartphone in der Größe eines iPhone 5 kaufen kann. Ich will mich endlich wieder darum streiten können, wer das Kleinere hat.

Offizieller Schwerkraftbesieger

Wenn die Liebste Geburtstag hat, schenkt Mann gerne Blumen, Parfum oder gar nichts, weil er's vergessen hat. Ich schenkte einen Bungeesprung und dachte mir, unten stehen und Fotos sowie zweifelhafte Kommentare zur Stabilität des Seils zu machen, während die Dame alleine springt, das ist doch blöd, also springst Du gleich mit. Nun habe ich zwar keine Angst vor Höhe und schon seit Jahren selbst den Traum, einmal Fallschirm zu springen, aber bislang blieb dieser Plan eben ein, nun ja, Traum. Der Gedanke, freiwillig in die Tiefe zu springen, war zwar einerseits sehr reizvoll, andererseits hatte ich keinen Zweifel daran, dass mir ganz schön die Pumpe gehen würde. Aber man ist ja Mann und keine Memme, also wurde ein Gutschein für einen Tandemsprung von einem Kran im Hamburger Hafen gekauft, verschenkt und als Termin gebucht. Die Dame war happy, ich war happy und der Termin lag lange in weiter Ferne, was mir, wenn ich ehrlich war, irgendwo auch ganz gut gefiel.

Bis neulich, als aus der weiten Ferne plötzlich morgen und dann heute Morgen wurde. Um 9 Uhr sollte unser Sprung stattfinden, um halb 7 bin ich bereits hellwach. Bei Gewitter sollte der Sprung kurzfristig seitens des Veranstalters abgesagt werden können, und so sehe jede kleine Wolke am sonst strahlend blauen Himmel hoffnungsvoll als Vorboten des Weltuntergangs an. Die Dame frühstückt ausgiebig, ich bin bereits nach zwei Schluck Wasser vollauf gesättigt. Kurz überlegt, ob ich eine akute Magenverstimmung vortäuschen soll. Dagegen entschieden. Das haben wir so bestellt, das wird jetzt so gegessen.

Am Hafen angekommen und vor dem Kran stehend. Gottistdashoch. 50 Meter sind in der Waagerechten schnell abgelaufen, in der Senkrechten aber durchaus imposant, wenn man weiß, dass man da runterfallen soll. Die frühmorgendliche Stille wird kurz durch das Geschrei der ersten Springer durchrissen. Ebenfalls ein Paarsprung. Sie kreischt, er ruft nach seiner Mutter, ich gucke die Liebste an, das könnten auch wir sein. Anmelden am Infostand, unterschreiben, dass man sich der physischen und psychischen Extrembelastungen bewusst und im Zweifelsfall Organspender sei, sofern denn noch etwas verwertbar wäre, im Fall des Falles. Er wäre hauptberuflich eigentlich Bestatter, meinte der Typ, der mir anschließend das Geschirr zum Springen anlegte. Dies sei sein erster Tag, aber er lerne schnell.

Mit angelegtem Geschirr gilt es danach, den Kran zu erklimmen. Enge, alte Treppen hinaufsteigen, das kennen die Liebste und ich schon aus dem Vatikan, das ist bekannt, da hat man Routine. Tatsächlich hat der Bungeesprung dem Petersdom hier sogar noch den Vorteil voraus, dass man die Treppen nur in eine Richtung nehmen muss. Und so ein alter Kran ist von innen tatsächlich ziemlich sehenswert, sofern man in der gegebenen Situation noch ein Auge dafür hat. Auf knapp 50 Metern, schon über den Dächern Hamburgs dann warten, bis das Paar vor uns gesprungen ist. Es dauert und es ist hoch, verdammt hoch. Mein Puls ist konstant irgendwo über der 200er-Marke angesiedelt. Langsam werde sie wieder müde und könne noch eine Runde schlafen, meint die Dame.

Wir werden aufgerufen. Die letzten Stufen steigen und Meter gehen, und dann steht man da plötzlich das erste Mal direkt am Abgrund, ohne Geländer und weiß, dass man da jetzt runter soll. Einfach so, mehr oder minder, denn der Gedanke an das Seil ist ein eher mäßiger Trost. Und dennoch - plötzlich war alles in Ordnung. Ich empfand sogar so etwas wie Vorfreude. 3, 2, 1, Bungee, und da flogen wir. Ein unheimlich tolles Gefühl, ich hätte es selber nicht gedacht. Ein viel zu kurzer Moment des freien Falls, das Abgebremst und wieder nach oben geschleudert werden durch das Seil, freier Fall, gebremst werden und dann ist der Spaß leider auch schon fast wieder vorbei. Man hängt kopfüber, dreht sich wild im Kreis und soll nach einer Stange greifen, die man vor lauter Drehen nicht sieht, um wieder auf festen Boden gezogen zu werden. Wenn man gerade 50 Meter freien Fall hinter sich hat, ist das auch keine Herausforderung mehr.

Fazit: Springt mehr Bungee! Die Liebste fand’s klasse, ich fand’s klasse, und das nächste Projekt ist bereits ins Auge gefasst: 220 Meter vom Verzasca Staudamm, von dem auch schon James Bond sprang. Nächster Sommer dann.

Um 9 Uhr an einem Sonntagmorgen Bungee zu springen, das sei tausendmal besser, als nach einer durchzechten Kiez-Nacht am Fischmarkt zu frühstücken, meinte der Geschirr-Typ vor dem Sprung noch zu mir. Er sollte recht behalten.

Vom Prokastinieren

Studenten sind faule Tunichtgute, die den ganzen Tag lang schlafen, trödeln und ständig nur wilde Partys feiern. Wer diesen Satz so unterschreiben kann, der mag im Bezug auf einige Exemplare unserer Gattung durchaus recht haben (ich müsste lügen, würde ich behaupten, solche Menschen nicht zu kennen), vergisst dabei aber die Konsequenz einer Erklärung, die viele Hochschulen einst in einer bekannten italienischen Hochschulstadt unterzeichneten. Die Bologna-Erklärung hat mir nicht nur falsche Erwartungen vermittelt, was es heißt, sich Bachelor nennen zu dürfen (nach meinem Abschluss wartete statt 22 willigen Frauen nur mein Masterstudium auf mich), sie hat auch dem altbekannten faulen Studentenleben nahezu den Garaus gemacht. Worte wie Präsenzstunden und Anwesenheitspflicht sorgen dafür, dass der Student von heute seine Hochschule auch mal von innen sehen muss, wenn er nicht in letzter Folge exmatrikuliert werden will. Prüfungen sind zu bestehen, und Hochschulen wie die meine nehmen dem Studenten sogar die Bürde ab, sich selbst für selbige eintragen zu müssen - zu bestreiten sind diese am Ende des jeweiligen Semesters, wie früher in der Schule. Und so sitze ich nun hier, mit meinem Exemplar des "Handbuch der Rechtspsychologie" und lese Dinge über Resilienz in der Entwicklung antisozialen Verhaltens, während eine kleine Essigfliege mir Gesellschaft leistet und fröhlich um meinen Kopf herumfliegt.

Bekanntlich ist in solchen Situationen ja so ziemlich alles andere auf der Welt spannender. Und so ist meine Wohnung gerade so sauber wie noch nie und ich habe diesen Blog wiederentdeckt, beschlossen, mehr zu schreiben, und mich von Wordpress als Blogsoftware zu verabschieden, weil ich jedes Mal, wenn ich denn was neues schreiben möchte, mit gefühlten hundert kritischen Updates konfrontiert werde, die unbedingt zuerst installiert werden wollen. Updates sind gut, weil sie zeigen, dass ein System weiterentwickelt wird, aber sehr nervig, wenn man sie alle zwei Wochen von Hand einspielen muss. Außerdem ist Wordpress über die Jahre zu einem riesigen Monster mit tausenden an Funktionen geworden, die zwar alle ziemlich spannend, aber für einen kleinen Blog wie dem meinen viel zu überdimensioniert sind. Und so habe ich mich auf die Suche nach einem neuen, kleineren System gemacht, Anchor gefunden, installiert, getestet und für gut befunden. Mein Design war binnen einer halben Stunde an das neue System angepasst und die alten Inhalte übernommen. Das Admin-Interface gefällt mir hier so gut, dass ich gar keine externe Software mehr zum Schreiben benutzen möchte. Außerdem hat es einen Anker als Logo, für mich, der ich nach vier Jahren Hamburg nun schon zu einem echten Seebär geworden bin, quasi perfekt.

Erwähnte ich, dass ich lernen muss?